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Der Widerruf der gesetzlichen Anerkennung von Kirchen und Religionsgesellschaften
Ursula Schuster
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Rechtswissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Richard Potz
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.9571
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29775.45863.371560-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Gemäß dem österreichischen Religionsrecht kann eine gesetzliche Anerkennung einer Religionsgemeinschaft einerseits auf Grundlage des AnerkG 1874 iVm dem BekGG 1998 im Wege der Verordnung ausgesprochen werden, andererseits durch ein eigenes Gesetz. Eine bedeutsame Rechtsfolge der gesetzlichen Anerkennung als Kirche oder Religionsgesellschaft besteht in der Erlangung der öffentlich-rechtlichen Körperschaftsstellung. Wird eine Religionsgemeinschaft durch Verordnung anerkannt, so muss sie sich zuerst als religiöse Bekenntnisgemeinschaft nach dem BekGG eintragen lassen, um in der Folge gemäß dem AnerkG gesetzlich anerkannt zu werden. Als eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft tritt sie als juristische Person des Privatrechts im Rechtsverkehr auf. Erst im Zuge ihrer gesetzlichen Anerkennung wird sie zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Im Hinblick auf eine im fortwährendem Wandel befindliche pluralistische Gesellschaft stellt sich die Frage, ob dem Staat auch die Möglichkeit zukommt, die gesetzliche Anerkennung von Religionsgemeinschaften unter Umständen zu widerrufen, da das AnerkG dazu – im Gegensatz zum BekGG (§ 9) – keine Regelung enthält. Dabei galt es zu klären, welches Verhalten einer bereits anerkannten Kirche oder Religionsgesellschaft als Körperschaft öffentlichen Rechts dazu führen könnte, dass die Voraussetzungen für einen Widerruf der Anerkennung gegeben wären. Im Zuge dieser Dissertation konnte mit Hilfe der analogen Anwendung von § 9 Abs 2 Z 1 BekGG auf das AnerkG eine gesetzliche Grundlage für einen Widerruf „geschaffen“ werden. Weiters wurden jene Voraussetzungen, die zu einem Widerruf eingetragener religiöser Bekenntnisgemeinschaften führen könnten, einer näheren Betrachtung unterzogen und auf die Kirchen und Religionsgesellschaften übertragen. Im Zusammenhang mit der öffentlich-rechtlichen Körperschaftsstellung von gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften und ihrem Verhältnis zum Staat konnte herausgearbeitet werden, dass der Staat bei seiner durchaus begrenzten Kompetenz zur Bewertung des Selbstverständnisses einer Kirche oder Religionsgesellschaft immer auf das tatsächliche Verhalten derselben als Ganzes abstellen muss und beispielsweise nicht auf „veraltete“ Glaubenslehren, die keine Anwendung mehr finden. Sollten diese veralteten Glaubenslehren aber in fundamentaler Rückbesinnung wieder aktualisiert werden und diese richten sich gegen die demokratischen Grundsätze des österreichischen Staates, so wäre ein Widerruf der gesetzlichen Anerkennung gerechtfertigt. Der Staat im 21. Jahrhundert ist mit einer „Multikonfessionsgesellschaft“ konfrontiert. In Anbetracht dieser Tatsache stellt der Widerruf der gesetzlichen Anerkennung ein unverzichtbares „Regelungsinstrument“ für den Staat dar, um seine Bürger vor den negativen Seiten der Religion im Sinne von Fundamentalismus oder Fanatismus zu schützen.
Abstract
(Englisch)
In accordance with Austrian religious law, legal recognition can be granted to a religious society on the basis of the 1874 Recognition Act in conjunction with the Act on the Legal Status of Registered Religious Communities (1998) or by means of a separate law. A significant legal consequence of the recognition of a religious society or a religious community is that it is granted the status of a corporate body. Once a religious society has been granted legal recognition, it must first be registered as a recognized religious community in accordance with the Act on the Legal Status of Registered Religious Communities (1998) in order to be granted legal status in accordance with the 1874 Recognition Act. In private law, as a recognized religious community it appears as a legal entity in all legal business. Only as a result of legal recognition does it become a corporate body in public law. In view of the fact that a pluralist society is in a constant state of flux, the question if the state has the power to revoke the status of recognized religious societies under certain circumstances arises. Unlike the Act on the Legal Status of Registered Religious Communities 1998 (§ 9), the 1874 Recognition Act does not provide for any regulation. Under these circumstances, clarification is needed on what conduct of a religious society or a religious community with prior recognition as a corporate body in public law would be a prerequisite for revocation of legal status. In the course of this dissertation it was possible to “create” a legal basis for revocation by applying § 9 section 2 Z 1 of the Act on the Legal Status of Registered Religious Communities (1998) to the 1874 Recognition Act. Furthermore, the prerequisites that could lead to the revocation of the legal status of recognized religious communities were closely examined and applied to religious societies and religious communities. Considering legally recognized religious societies in the context of their status as public corporate bodies and their relations with the state, it was demonstrated that the state, with its limited competence to assess the self-concept of a religious society or a religious community, must consider actual conduct as a whole, and not irrelevant, anachronistic religious doctrines. Should, on the other hand, such anachronistic religious doctrines be revived in a fundamental return to past values and be directed against the democratic principles of the Austrian state, revocation of legal recognition would be justified. In view of the fact that in the 21st century the state is faced with a multi-confessional society, revocation of legal recognition constitutes an indispensable instrument of regulation to allow the state to protect its citizens from the negative aspects of religious fundamentalism or fanaticism.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
legal recognition religious society religious community 1874 Recognition Act the Act on the Legal Status of Registered Religious Communities (1998) revocation of legal recognition
Schlagwörter
(Deutsch)
gesetzliche Anerkennung Religionsgemeinschaften Kirche Religionsgesellschaft Widerruf der gesetzlichen Anerkennung Körperschaft des öffentlichen Rechts positive Grundeinstellung zu Gesellschaft und Staat
Autor*innen
Ursula Schuster
Haupttitel (Deutsch)
Der Widerruf der gesetzlichen Anerkennung von Kirchen und Religionsgesellschaften
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
201 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Richard Potz
Klassifikation
86 Recht > 86.02 Rechtsphilosophie
AC Nummer
AC08203621
Utheses ID
8633
Studienkennzahl
UA | 083 | 101 | |
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