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Lebensqualität, Angst und Sinnerfüllung bei Ecstasykonsumenten
Markus Fahrnberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Reinhold Jagsch
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.9822
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30062.02080.224565-4
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Hintergrund: Häufig standen Ecstasykonsumenten und die speziellen Wirkungen von MDMA im Fokus psychologischer Untersuchungen. Meistens wurde versucht, den Substanzkonsum mit Angst oder Depression in Verbindung zu bringen. Studien zeigten hinsichtlich der Angst ein differenziertes, teilweise widersprüchliches Wirkungsprofil von Ecstasy. Bis jetzt wurden die gesundheitsbezogene Lebensqualität und besonders das Existenzgefühl bei diesen Untersuchungen vernachlässigt oder gar nicht berücksichtigt. Design: Die Studie war als Querschnittuntersuchung mit einer Online-Datenerhebung ausgelegt. Der Erhebungszeitraum war von Mai 2008 bis Jänner 2009. Die Rekrutierung erfolgte auf sogenannten „social network“-Seiten und einschlägigen Internetdrogenforen. Insgesamt füllten 394 von insgesamt 1.471 Besuchern die Fragebogenbatterie vollständig aus, von denen 93 (6,3% aller Besucher) aufgrund der Angabe von Ecstasykonsum in die Untersuchung einbezogen wurden. Methode: Die Probanden mussten eine Fragebogenbatterie, bestehend aus einem selbsterstellten soziodemographischen Fragebogen, einer Drogenanamnese nach den Kriterien des DSM-IV, Häufigkeit und Dauer des Ecstasykonsums, dem State-Trait-Angstinventar (STAI), der Existenzskala (ESK) und dem Short-Form-Health-Survey (SF-36) bearbeiten. Im Anschluss kam es zu zwei voneinander unabhängigen Gruppenbildungen (Ecstasy-gebrauch, -missbrauch, -abhängigkeit sowie kein Beikonsum, Uppers- oder Downersbeikonsum). Diese drei Gruppen wurden jeweils varianzanalytisch (sofern die Voraussetzungen gegeben waren) miteinander verglichen. Ergebnisse: Die Stichprobe zeichnete sich durch eine Überrepräsentation von Männern aus. Der Altersdurchschnitt lag bei 24 Jahren, und die Ausbildungsverteilung war durch eine vermehrte Anzahl von Probanden mit Matura in vier Gruppen (Gebrauch und Abhängigkeit bzw. kein Beikonsum und Downers) und ohne Matura in den restlichen zwei Gruppen (Missbrauch bzw. Uppers) gekennzeichnet. Eine mögliche Verbindung könnte zwischen dem Alter des Erstkonsums und der Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit bzw. dem Uppers- und Downersbeikonsum bestehen. Diese Gruppen zeichnen sich durch einen späteren Ecstasy-Erstkonsum aus. Ein Zusammenhang besteht womöglich zwischen der Ausbildung und der Konsumhäufigkeit, da die Missbrauchs- und Uppersgruppe häufigeren wöchentlichen Konsum berichten. Bis auf die Downersgruppe zeigten in allen Gruppen mehr als 70% derzeitigen Konsum von Ecstasy. 99% der Stichprobe berichteten über polytoxikomane Konsummuster. Die Analyse der Werte der SF-36 erbrachte drei signifikante Unterschiede zwischen den Ecstasykonsumgruppen, mit der allgemeinen Tendenz, dass eine zunehmende Konsumintensität mit stärkeren Beeinträchtigungen einher geht. Signifikant unterschiedlich ist die Abhängigkeits- von der Gebrauchsgruppe in der körperlichen Rollenfunktion sowie die Gebrauchs- von der Missbrauchs- und Abhängigkeitsgruppe in der sozialen Funktionsfähigkeit. Außerdem zeigt die Gruppe ohne Beikonsum signifikant bessere Werte als die Uppers- und die Downersgruppe in der sozialen Funktionsfähigkeit. Zudem scheinen aktivierende Substanzen einen besonderen Einfluss auf das tägliche Leben zu haben. Die theoretisch postulierten Unterschiede in der existenziellen Erfülltheit konnten nicht wiedergefunden werden. Es kam lediglich zu signifikant besseren Werten der Gebrauchs- im Vergleich zur Missbrauchsgruppe in den Dimensionen Freiheit und existenzielle Gegebenheiten. Bei den Beikonsumgruppen fanden sich keine signifikanten Unterschiede. Hinsichtlich der Angst unterschieden sich die Gebraucher mit geringeren Werten signifikant von den Missbrauchern bei der Zustandsangst (State). Sonst konnten keine signifikanten Unterschiede gefunden werden. Eine grundsätzliche Tendenz zu einer linearen Verbindung zwischen einem stärkeren Ecstasykonsum und höherer Angst zeigte sich dennoch. Konsumenten mit Uppersbeikonsum zeigten die höchsten Werte auf der State-Skale, die mit Downersbeikonsum auf der Trait-Skala. Eine interessante mögliche Verbindung könnte zwischen den signifikanten Ergebnissen der Ecstasykonsumgruppen bestehen. So ist es denkbar, dass physische oder psychische Gesundheitsbeeinträchtigungen, eine ängstliche Reaktionsform gekennzeichnet durch Unsicherheit sowie ein gehemmter Lebensstil zu weniger auffindbaren Handlungsmöglichkeiten und einer Entscheidungsschwäche beitragen können. Dies alles wirkt sich im Anschluss negativ auf tägliche soziale Aktivitäten aus. Bei der Analyse der Daten nach möglichen Prädiktoren wurden die Missbrauchs- und die Abhängigkeitsgruppe zusammengefasst und der Gebrauchsgruppe gegenübergestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass die beiden SF-36-Subskalen körperliche Rollenfunktion und soziale Funktionsfähigkeit signifikant zur Vorhersage der Gruppenzugehörigkeit Gebrauch vs. klinisch auffälliger Konsum beitragen können.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Ecstasy Lebensqualität Angst Sinnerfüllung
Autor*innen
Markus Fahrnberger
Haupttitel (Deutsch)
Lebensqualität, Angst und Sinnerfüllung bei Ecstasykonsumenten
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
129 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Reinhold Jagsch
Klassifikationen
44 Medizin > 44.91 Psychiatrie, Psychopathologie ,
77 Psychologie > 77.70 Klinische Psychologie
AC Nummer
AC08128672
Utheses ID
8862
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
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