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Linguistik und ihre Didaktisierungsmöglichkeiten im Französisch- und Spanischunterricht in systemisch-konstruktivistischer Perspektive
Renate Holzinger
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Michael Metzeltin
DOI
10.25365/thesis.9885
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30147.43942.850261-2
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vielerorts diskutierte Schulkrise, die u. a. ihre Gründe darin hat, dass sie nach wie vor an einer instruktiven Grundhaltung festhält, dass sie weiterhin vor allem deklaratives Faktenwissen vermittelt und andere bedeutende Lernbereiche gänzlich unberücksichtigt lässt, ist Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit. Einen weiteren Anlass bildet die Krise der Fremdsprachendidaktik, denn sie hat es in den letzten zwei Jahrzehnten nicht mehr geschafft, von sich aus Theorien und Modelle zu entwerfen, die als Orientierung für praktizierende Didaktiker ausreichend gewesen wären. Ziel dieser Neukonzeption des Fremdsprachenunterrichts ist es zunächst, adäquate Theorien für das Lehren und Lernen fremder Sprachen zu diskutieren und wesentliche, für den Schüler förderliche Grundbedingungen herauszuarbeiten. Als weiteres Vorhaben gilt, die fehlende Brücke zwischen einer fundierten theoretischen Konzeption des Lernens fremder Sprachen und einer handhabbaren unterrichtlichen Praxis zu errichten: Ein fremdsprachendidaktisches Modell samt Leitprinzipien, das für eine lernförderliche Umgebung sorgt, soll eine wichtige Stütze bei der Realisierung dieses Vorhabens darstellen. Die vorliegende Konzeption ist demnach äußerst vielgestaltig und komplex und kann auf mehreren Ebenen angesiedelt werden: auf einer Makroebene, auf der der theoretische Überbau der Konzeption angesiedelt ist, auf einer Mesoebene, auf der die didaktischen Leitprinzipien und die sekundären Unterrichtsmerkmale entwickelt werden, deren Planung und Umsetzung eine veränderte Haltung von Seiten des Lehrers sowie auch von Seiten des Schülers bedingt und auf einer Mikroebene, auf der konkrete Vorschläge für die Umsetzung der angestrebten didaktischen Ziele und Methoden ausgearbeitet werden.
Auch wenn die Lehr- bzw. Lernforschung und die Spracherwerbsforschung noch weit davon entfernt sind, das Phänomen des Verstehens bzw. des Fremd-sprachenerwerbs vollkommen erklären zu können, gibt es doch einige allgemein akzeptierte Grundannahmen. Dazu gehört, dass Verstehen das Ergebnis eines aktiven Konstruktionsprozesses auf Seiten des Lernenden ist und der Spracherwerb, gesteuert oder unstrukturiert, keinen linearer Prozess darstellt, der in einem einfachen Input-/Output-Schema fassbar ist. Diese Auffassung wird unter dem Begriff des konstruktivistischen Lernens zusammengefasst. Des Weiteren impliziert der Erwerb von Fremdsprachen im schulischen Unterricht u. a. immer auch emotionale, persönlichkeitsbildende und sozial-kommunikative Vorgänge. Auf der Folie einer konstruktivistisch orientierten Fremdsprachenlerntheorie und einer systemischen Sichtweise des komplexen Unterrichtsgeschehens bzw. einer systemischen Grundhaltung des Fremdsprachenlehrers kann ein Modell für die innere Lernumgebung des Fremdsprachenunterrichts entwickelt werden, das Prinzipien der Lernerorientierung, der Handlungsorientierung, des sog. Metalernens sowie das Prinzip der authentischen Lern- und Spracherfahrung umfasst. Auf der Mikroebene werden Brücken von der Metatheorie über das systemisch-konstruktivistische Modell zur Applikationsebene geschlagen und Vorschläge für die methodische, beziehungstheoretische und inhaltliche Umsetzung der jeweils angestrebten didaktischen Ziele entwickelt: Zunächst werden Didaktisierungsmöglichkeiten für den Französisch- und Spanischunterricht erarbeitet, die die Auseinandersetzung des Schülers mit seiner Beziehung zu sich selbst, zu konkreten Menschen sowie zur Gesellschaft bzw. zur Welt im Allgemeinen unterstützen und vorantreiben sollen. Schließlich werden Vorschläge für die Umsetzung des textlinguistischen Ansatzes in einem explorativen Grammatikunterricht entworfen, die sich in drei verschiedenen Bereichen, dem Nominalbereich, dem Verbalbereich und der sog. Partikelforschung, ansiedeln.
Durch das hier entwickelte systemisch-konstruktivistische Unterrichtsmodell für den Fremdsprachenunterricht, das die lerntheoretischen Ergebnisse einer kognitiv-konstruktivistischen Theorie des Fremdsprachenerwerbs sowie die Bedeutung systemischen Denkens und Handelns im Unterrichtsgeschehen bündelt, wird die Didaktik des institutionalisierten Fremdsprachenunterrichts dringend herausgefordert, ihre Einstellung zur Wissensvermittlung zu verändern. Die Tätigkeit des Lehrers ist dabei der Versuch, die Umwelt von Schülern so zu verändern, dass diese für sich wünschenswerte kognitive, emotionale, soziale und kommunikative Strukturen aufbauen können.
Abstract
(Englisch)
At the heart of this paper is the widely discussed crisis in education, the roots of which may be found in its continuing adherence to an instructive attitude towards education, its focus on primarily declarative factual knowledge, and a total disregard of other meaningful areas of learning. Of additional concern is the crisis in foreign language instruction. In the last two decades, the field has not been able to produce any theories or models adequate to serve as a guideline for practicing teachers. The goal of this redesigned conception of foreign language instruction is first and foremost to offer and discuss suitable theories for foreign language instruction and learning as well as highlight important basic conditions conducive to a student's learning process. A further objective of this paper is to bridge the gap between the established theoretical ideas about foreign language learning and the practical experience of teaching. A didactic model for foreign languages, including guiding principles which promote a conducive learning environment are to serve as an important support in achieving this objective. The model presented in this paper is thus extremely diverse and complex and can be applied at multiple levels. The macro level serves as the foundation for the theoretical framework of this model. At the meso level, the basic didactic principles as well as the secondary trademarks of this method of instruction are developed. Planning and putting these concepts into practice requires a change in attitude from both teachers and learners. At the micro level, concrete suggestions for achieving the desired didactic goals and methods are fleshed out.
Even though research on education, learning and language acquisition is still far from being able to entirely explain the phenomenon of understanding or acquiring a foreign language, there are nevertheless several generally accepted basic assumptions. This includes the assumption that understanding is the result of an active construction process by the learner and that language acquisition, whether controlled or unstructured, is not a linear process, which can be easily measured in an input/output scheme. This notion is summarized by the term constructivist learning. In addition, foreign language acquisition in the school classroom always encompasses emotional, character-building and social-communicative processes. With a constructivist oriented theory of foreign language learning as a backdrop and a systemic perspective of the complexity of the classroom as well as a systemic attitude from foreign language teachers, it is possible to develop a model for an inner learning environment in foreign language learning, which is learner-oriented, active, and incorporates the principles of meta learning as well as authentic learning and language experience. At the micro level, the gaps between meta theory, the systemic-constructivist model and the application level are bridged. Ways to implement individual didactic goals in a methodic, relationship-oriented and practical manner are proposed. The first step is to develop teaching methods for French and Spanish, which support and encourage students' examination of their relationship to themselves, to concrete people as well as to society or the world in general. Finally, suggestions for using a text linguistics approach in an explorative grammar lesson are made. These are divided into three different areas, nouns, verbs and particle research.
This newly developed systemic-constructivist instruction model for foreign language learning, which pools together the results of learning theories from a cognitive constructivist theory of foreign language acquisition as well as the significance of systemic thinking and practice within the classroom, challenges institutionalized foreign language classrooms to change their attitude towards how knowledge is transfered. The role of the teacher in this process is to work to change students' environment in such a way as to enable them to create desirable cognitive, emotional, social and communicative structures for themselves.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
constructivist learning theory systemic education French and Spanish instruction relationship-based learning text linguistics
Schlagwörter
(Deutsch)
Konstruktivistische Lerntheorie Systemische Pädagogik Französisch- und Spanischunterricht Lernen in Beziehungen Textlinguistik
Autor*innen
Renate Holzinger
Haupttitel (Deutsch)
Linguistik und ihre Didaktisierungsmöglichkeiten im Französisch- und Spanischunterricht in systemisch-konstruktivistischer Perspektive
Paralleltitel (Englisch)
Linguistics and teaching methods in the French and Spanish classroom from a systemic-constructivist perspective
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
486 S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Michael Metzeltin ,
Peter Cichon
AC Nummer
AC08165072
Utheses ID
8917
Studienkennzahl
UA | 092 | 236 | 352 |
