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Den Anderen be-handeln und betreuen
ein phänomenologischer Versuch über Medizin und Medizinethik
Martin Huth
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Günther Pöltner
DOI
10.25365/thesis.10121
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29492.15909.547569-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Dissertation stellt den Versuch dar, neuere phänomenologische Konzepte für medizinethische Fragen fruchtbar zu machen. Emmanuel Levinas, Paul Ricoeur, Maurice Merleau-Ponty sowie Bernhard Waldenfels werden zunächst daraufhin untersucht, inwiefern ihr Denken sich jeweils als für diese Thematik relevant herausstellen kann; von da her zeigen sich allerdings auch Motive für eine kritische Betrachtung.
Levinas´ Philosophie der Alterität liefert wichtige Impulse für eine Ethik vom jeweils konkreten Anderen her, die sich nicht nur auf universale Regelungen verlässt, die gerade die Andersheit des Anderen und seine je besondere Situation zum Verschwinden bringen. Aus Paul Ricoeurs reichhaltigem Oeuvre ist für uns vor allem das Buch „Soi-même comme un autre“ von Bedeutung, das eine Analyse des verantwortlichen Selbst bietet. Dabei präsentiert der Autor nicht nur Beschreibungen des Handelns in seiner ganzheitlichen Struktur, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der aristotelischen Ethik und der kantischen Moralphilosophie. Sie werden in einer Gegenüberstellung unter anderem als wechselseitiges Korrektiv gelesen. Vor allem der so gewonnene Begriff einer „kritischen phronesis“ erweist sich als erhellend, wenn es um die Be-Handlung des Anderen in jeweils konkreten Situationen geht, das nicht durch allgemeine Regeln abzudecken ist. Merleau-Ponty ist vor allem im Zusammenhang mit seinen Analysen der Leiblichkeit und des Zwischen interessant. Eine Leiblichkeit jenseits des cartesianischen Dualismus und ebenso eines bloß naturwissenschaftlichen Erklärens weist hin auf eine Sichtweise von Gesundsein und Kranksein, die nicht in Körpern versteckte Krankheiten qua Entitäten, sondern Existenzformen des So-(nicht)-Könnens ausfindig macht. Das Denken des Zwischen hingegen zeigt an, dass sich etwa in der Beziehung zwischen Arzt und Patient niemand als Zentrum des Geschehens begreifen kann und darf. Paternalismus ist somit ebenso zu verwerfen wie eine allzu einseitige Orientierung an der Patientenautonomie. Bernhard Waldenfels schließlich ist in unserem Zusammenhang von Interesse aufgrund seiner Philosophie des Fremden und seinem Konzept einer responsiven Rationalität sowie seiner pathischen Phänomenologie. Besonders deutlich zeigt er die Bedeutung von Betroffenheit und Angesprochensein, aber auch die Notwendigkeiten und Möglichkeiten eines der Erfahrung angemessenen Antwortens auf Ansprüche. Dass dies nicht geringe Auswirkungen auf die Betrachtung der Beziehung von Arzt und Patient oder auch von Fragen der Allokation hat, ist wohl leicht nachvollziehbar.
Der Auseinandersetzung mit den einzelnen Autoren folgt der Versuch einer phänomenologischen Ethik, die sich an Aristoteles und Kant orientiert, jedoch kritische Distanz wahrt. Dem Utilitarismus wird mit weitgehender Ablehnung begegnet.
Die somit gewonnenen Fragestellungen und Positionen werden schließlich im Rahmen einer Betrachtung verschiedener, aktuell kontrovers debattierten Problemlagen medizinethischer Natur erprobt. Die Beziehung von Arzt und Patient (aber auch Pfleger oder Betreuer und Klient), Fragen rund um Anfang und Ende sowie Schutz des Lebens in den jeweiligen Lebensabschnitten, Probleme der Organtransplantation, der besonderen Rücksichtnahme auf sehr junge, alte, behinderte oder psychisch kranke Menschen, das Verhältnis von Ethik und Forschung, die neueren Errungenschaften der Gentechnik und schließlich Fragen der Allokation sollen vom Geschehen von Anspruch und Antwort her gedacht werden. Weiche gesetzliche Regelungen sollen Raum für konkrete Auseinandersetzungen bieten, ohne eine Beliebigkeit zu ermöglichen und Missbrauchsszenarien zu begünstigen. Wofür unter anderem immer wieder plädiert wird, sind generell statt absolut gültige Richtlinien, die Gewissensentscheidungen gemäß der jeweiligen Situation zulassen.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Phänomenologie Ethik Medizinethik
Autor*innen
Martin Huth
Haupttitel (Deutsch)
Den Anderen be-handeln und betreuen
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein phänomenologischer Versuch über Medizin und Medizinethik
Paralleltitel (Englisch)
Treating and caring about the other ; a phenomenological essay about medicine and biomedical ethics
Publikationsjahr
2006
Umfangsangabe
311 Bl.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Günther Pöltner ,
Peter Kampits
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.25 Zeitgenössische westliche Philosophie ,
08 Philosophie > 08.38 Ethik
AC Nummer
AC05033682
Utheses ID
9143
Studienkennzahl
UA | 296 | | |
