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Kunstseidene Mädchen - Weiblichkeit und Urbanität in Irmgard Keuns Romanen
Elisabeth Freiler
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Irmgard Egger
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30101.85832.464653-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit beschäftigt sich im ersten Teil mit den verschiedenen Möglichkeiten der Großstadtdarstellung und der Großstadtwahrnehmung. Durch die Verwendung des Telegrammstils gelingt es Keun die Schnelligkeit und das Chaos der Metropolen in einer Art und Weise wiederzugeben, die einerseits die Kinoaffinität ihrer Hauptfigur Doris wiederspiegelt, die aber auch den Einfluss des Kinos auf Keuns eigenes Schreiben aufzeigt. Ihre Romane werden auch auf die unterschiedlichen Faktoren hin, die die Wahrnehmung in den Großstädten beeinflussen, wie zum Beispiel die künstliche Helligkeit, Motorisierung, aber auch die Geräusche und Gerüche, untersucht. Anhand der ProtagonistInnen werden verschieden Arten des Umgangs mit der ständigen Reizüberflutung gezeigt, die auch Rückschlüsse auf ihre persönlichen Beziehungen zu den Städten zulassen. Dass die Anforderungen, die die Großstadt an ihre BewohnerInnen stellt, auch in den Feuilletons und in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zum Thema wurden, zeigt der Querschnitt durch die Theorien der Großstadtwahrnehmung. Im zweiten Kapitel wird die Konstituierung von Räumen und deren Funktionen für die ProtagonistInnen untersucht. Dabei zeigt sich, dass Doris und Gilgi, die ihnen zur Verfügung stehenden Räume auf sehr unterschiedliche Art nutzen. Wenn die beiden auf den Straßen der Metropolen unterwegs sind, dann wird klar, dass ihnen diese nicht zu den gleichen Bedingungen wie den Männern zu Verfügung stehen. Der Typus des Flaneurs, der unwiderruflich mit den Städten der Moderne in Verbindung gebracht wird, kann nicht ohne Einschränkungen auf Frauen übertragen werden. Das ziel- und planlose Schlendern, das einen Flaneur auszeichnet, wird bei Frauen äußerst kritisch beäugt und immer wieder als Zeichen der Prostitution gedeutet. Dass sich Doris und Gilgi dennoch nicht von den Straßen verdrängen lassen, lässt darauf schließen, dass Frauen langsam anfangen auch die öffentlichen Plätze für sich zu reklamieren. Dass Frauen nicht nur vermehrt im Straßenbild auftauchen, sondern dass sie auch die Arbeitswelt, vor allem das Angestelltendasein, für sich zu entdecken beginnen, zeigt sich im dritten Kapitel. Mit dieser vermehrten Berufstätigkeit der Frauen ging auch eine gravierende Veränderung im tradierten Rollenverständnis einher. Die medial vielbeachtete Neue Frau hatte die großstädtische Bühne betreten. Sie hob sich durch ein völlig neues Erscheinungsbild von den vorangegangenen Frauentypen ab. Die Neuen Frauen waren selbstbewusst, eigenständig, sehr modebewusst und sahen ihre Zukunft nicht mehr nur in der Rolle als Hausfrau und Mutter. Dass es allerdings zwischen dem Bild der Neuen Frauen, wie es in den Medien vermittelt wurde und der Realität vieler Frauen große Differenzen gab, zeigt Keun in ihren Romanen. Keun greift auch die große Problematik, die die Mutterschaft für Frauen in der wirtschaftlich immer schlechter werdenden Situation mit sich brachte, auf. Sie thematisiert anhand Gilgis Situation den Kampf der Frauen gegen das absolute Abtreibungsverbot, das durch den Paragraphen 218 manifestiert wurde.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Urbanität Weiblichkeit Metropole Neue Frau Weimarer Republik Stadt
Autor*innen
Elisabeth Freiler
Haupttitel (Deutsch)
Kunstseidene Mädchen - Weiblichkeit und Urbanität in Irmgard Keuns Romanen
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
109 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Irmgard Egger
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.70 Literaturwissenschaft: Allgemeines
AC Nummer
AC08175425
Utheses ID
9147
Studienkennzahl
UA | 190 | 333 | 299 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1