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Das Verbotsprinzip - Paradigmenwechsel im Lebensmittelrecht
Andrea Schneidhofer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Lebenswissenschaften
Betreuer*in
Klaus Smolka
DOI
10.25365/thesis.10324
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29752.16721.399354-4
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Das Lebensmittelrecht ist von Überregulierung betroffen. Ein Trend dabei ist die stetige Zunahme des Verbotsprinzips. Ziele des Lebensmittelrechts sind seit jeher der Schutz der Gesundheit von Menschen und der Schutz der Verbraucher vor Täuschung. Der Weg zu den Zielen führt in den letzten Jahrzehnten immer mehr weg vom „Missbrauchsprinzip“ hin zum „Verbotsprinzip“. Noch bis zum Lebensmittelgesetz 1975 (LMG 1975) galt in Österreich fast ausschließlich das Missbrauchsprinzip. Der häufige Paradigmenwechsel ist eine Folge der industriellen Lebensmittelbe- und Verarbeitung, hier insbesondere die zunehmende Anwendung von neuen Technologien, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und ein gestiegenes Ernährungs- und Gesundheitsbewusstsein. Das Lebensmittelangebot und unsere Ernährungsgewohnheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten radikal verändert. Die Zunahme des Verbotsprinzips als „Verbraucherschutzregelung“ macht Sinn, wenn die Zielrichtung „Gesundheitsschutz des Verbrauchers“ verfolgt wird. Wenn der Gesetzgeber aber mit dem Verbotsprinzip auch die zweite Zielrichtung, nämlich den „Schutz des Verbrauchers vor Täuschung“ verfolgt oder gar handels- und ernährungspolitische Ziele damit einkleidet, dann ist das fragwürdig.
Den größten Regulierungsschub im österreichischen Lebensmittelrecht brachte der Beitritt Österreichs zum EWR 1994 und dann zur EU 1995. Besonders im EG-Gemeinschaftsrecht werden immer mehr Regelungsbereiche des Lebensmittelrechts mit Missbrauchsprinzip zurückgedrängt. Damit ist das Lebensmittelrecht von einer ständigen Weiterentwicklung durch EG-Gemeinschaftsrecht geprägt.
Der Begriff „Sicherheit von Lebensmitteln“ ist in früheren lebensmittelrechtlichen Vorschriften nicht zu finden und wurde erst mit der EG-Basisverordnung in die Rechtssprache eingeführt. Lebensmittelsicherheit ist die Grundmelodie, welche alle Rechtsvorhaben begleitet. Das Verbotsprinzip schafft die größtmögliche europaweite Rechtssicherheit. Die Befriedigung eines wachsenden Sicherheitsbedürfnisses führt politisch dazu, die Freiheit zu beschränken. Davon sind alle Rechtsbereiche betroffen, das emotional aufgeladene Lebensmittelrecht ganz besonders. Der politische Trend zum Verbotsprinzip führt das Lebensmittelrecht ideologisch in die Gefilde des Arzneimittelrechts.
Abstract
(Englisch)
Food law is affected by over-regulation. In this context, one trend consists in the continuing expansion of the principle of prohibition. The objectives of food law have always been the protection of human health and the protection of consumers against deception. In the last few decades, the path to reach these objectives has increasingly deviated from the “principle of misuse” and favoured the “principle of prohibition”. In Austria, the principle of misuse was used almost exclusively until as late as the Food Act of 1975 (LMG 1975). The frequent paradigm shift is a result of industrial food processing; in particular the increasing use of new technologies, scientific findings and greater public awareness of nutrition and health issues. The food available to us and our eating habits have changed dramatically in the last decades. The advance of the principle of prohibition as “consumer protection regulation” makes sense if the objective is to protect the consumers’ health. It is, however, a questionable matter if, while pushing the principle of prohibition, the legislator also pursues the other objective, i.e. the protection of consumers against deception, or even goes as far as vesting trade or nutrition policy goals with it.
Austria’s accession to the EEA in 1994 and then to the EU in 1995 caused the strongest regulative push in Austrian food law. Particularly in EC law, more regulatory domains within food law are being curtailed by the principle of prohibition. Consequently, food law is shaped by EC law and its continuous development.
The term “food safety” is not part of older food law provisions; it was only introduced as legal terminology in the Basic Regulation (EC) of January 2002. Food safety is the underlying issue that accompanies all legislative initiatives. The principle of prohibition ensures a maximum of legal certainty in Europe, and policies that limit our personal freedom are being introduced in order to satisfy our need for security. This concerns all legislative areas – especially the emotionally charged food law. Ideologically, the political trend supporting the principle of prohibition is leading food law towards the realms of pharmaceutical law.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
food law principle of prohibition paradigm shift
Schlagwörter
(Deutsch)
Lebensmittelrecht Verbotsprinzip Paradigmenwechsel
Autor*innen
Andrea Schneidhofer
Haupttitel (Deutsch)
Das Verbotsprinzip - Paradigmenwechsel im Lebensmittelrecht
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
VIII, 134 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Klaus Smolka
Klassifikationen
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.01 Geschichte der Naturwissenschaften ,
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.30 Naturwissenschaften in Beziehung zu anderen Fachgebieten
AC Nummer
AC08245140
Utheses ID
9323
Studienkennzahl
UA | 474 | | |
