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Die Politik der EU gegenüber Belarus
Rainer Ulrich
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Hans-Georg Heinrich
DOI
10.25365/thesis.11080
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29823.33286.573563-9
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In dieser Arbeit wird die Politik der EU gegenüber Belarus analysiert. Dabei werden folgende Fragen gestellt: Welche Strategie verfolgt die EU in ihrer Politik gegenüber Belarus? Entspricht diese Strategie den Interessen der EU? Wie könnte die Politik der EU gegenüber Belarus sinnvoll abgeändert werden?
Die EU hat ihre Politik gegenüber Belarus in den letzten Jahren nachhaltig geändert: Sie hat die Isolationspolitik gegenüber dem autokratisch geführten Land zum größten Teil aufgegeben und Belarus in die Östliche Partnerschaft aufgenommen. Auch hat sie sich im IWF für eine Kreditvergabe an Belarus eingesetzt. Belarus wiederum hat einige politische Gefangene freigelassen und die Rhetorik gegenüber der EU entschärft. In der Frage der Anerkennung Südossetiens und Abchasiens hat es sich nicht klar auf die Seite Russlands gestellt.
Die Strategie der EU scheint wenig geeignet, ihren Interessen Rechnung zu tragen. Durch die Aufgabe der Isolationspolitik hat die EU ihre Verhandlungsposition geschwächt: Nunmehr können einzelne EU-Länder Beziehungen zu Belarus unterhalten, die EU kann in Zukunft kaum einheitlich auftreten. Die Schritte Belarus’ Richtung Demokratisierung sind nur vordergründig und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit vor den nächsten Präsidentschaftswahlen zurückgenommen – dies könnte zu einem Gesichtsverlust der EU führen. Belarus als strategischen Verbündeten zu gewinnen ist kaum möglich – die Außenpolitik Lukaschenkos hängt von Eigeninteressen und kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen ab, nicht von langfristigen Loyalitäten. Eine Belarus-Politik gegen Russland führt daher zu einem finanziellen Wettbieten, das Lukaschenkos Position weiter stärkt.
Die EU sollte sich ihrer guten Verhandlungsposition stärker bewusst sein: Belarus steht vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, die es alleine kaum lösen kann. Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Belarus wird sich daher zwangsläufig ergeben. Auch ohne finanzielle und politische Zugeständnisse an Belarus zu machen, wird sich dabei der Einfluss der EU vergrößern. Die EU sollte wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Belarus trennen. Wirtschaftlich sollte sie mit Belarus in eigenem Interesse zusammenarbeiten, jedoch nicht politisch motivierte Kredite vergeben. Politisch sollte sie weiterhin die Zivilgesellschaft, vor allem durch leichtere Visumvergabe, unterstützen. Im Moment sind die Voraussetzungen für eine demokratische Transformation in Belarus nicht gegeben und die EU kann diese auch nicht erzwingen. Allerdings hat die belarussische Opposition aufgrund der sich ankündigenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Zukunft ein starkes Argument gegen Lukaschenko. Für die EU ist es also angebracht, Geduld zu üben.
Abstract
(Englisch)
This paper analyses the policy of the EU toward Belarus. What strategy does the EU pursue in its relations with Belarus? Does this strategy correspond to the EU’s interests? How could the policy of the EU toward Belarus be modified?
The EU considerably altered its policy approach toward Belarus over the last years: It gave up isolationism and Belarus was admitted to the Eastern Partnership. Also, with the help of EU-countries, Belarus received a loan from the International Monetary Fund. Belarus in turn released some political prisoners and gave up its hostile rhetoric toward the EU. Belarus has not yet recognized South Ossetia and Abkhazia although this was a request of Russia.
The EU’s policy toward Belarus is unlikely to be successful: By giving up isolationism, the EU gave up a strategic advantage and weakened its own position: In the future, EU countries can pursue their own, very different policy approaches toward Belarus. Therefore, it will be more difficult for the EU to have a strong, common foreign policy. Belarus’ steps towards democratisation are in no way significant or consistent. With the presidential elections coming in 2011, it is likely that the Belarusian government will even increase pressure on the opposition. This will discredit the EU’s policy approach. It is unlikely that Belarus can be won as a strategic ally against Russia. President Lukashenko’s foreign policy depends on economic interests, not on long-term loyalties. Competing with Russia in its relations to Belarus will therefore only strengthen Lukashenko’s position.
The EU should become more aware of its strong position in light of the enormous economic challenges Belarus faces. Economic cooperation between Belarus and the EU is a necessity for Belarus. As a result, the EU’s influence on the country will increase even without making political and financial concessions. The EU should separate economic and political relations with Belarus: Economically, it should cooperate with Belarus – but it shouldn’t grant politically motivated loans. On the political level, it should continue to support the Belarusian civil society, e.g. by facilitating visa requirements.
At the moment, a democratic transformation of Belarus seems unlikely and the EU does not possess the means to force it. However, with economic difficulties in Belarus approaching, the Belarusian opposition will have a much stronger position in the future. It is therefore necessary for the EU to be patient.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Belarus EU relations international politics
Schlagwörter
(Deutsch)
Belarus EU Beziehungen Internationale Politik
Autor*innen
Rainer Ulrich
Haupttitel (Deutsch)
Die Politik der EU gegenüber Belarus
Paralleltitel (Englisch)
The policy of the EU toward Belarus
Publikationsjahr
2010
Umfangsangabe
VIII, 218 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Hans-Georg Heinrich ,
Ottmar Höll
AC Nummer
AC08232079
Utheses ID
9994
Studienkennzahl
UA | 092 | 300 | |
